Seltsame Rituale, komische Kleidungsstücke, ein grünes Gesicht und der Duft von Räucherstäbchen. Das sind nur ein paar von den Dingen, die den Grundschülern am Projekttag zum Thema Indien zu Beginn etwas „komisch“ vorkamen. Erst einmal alle Aufstehen, die Hände Zusammenlegen vor der Brust und mit einer kleinen Verbeugung „Namaskaram“ sprechen – eine sehr höfliche Form der Begrüßung – und schon ging die Reise los …

Projektziel war es, eine fremde, bislang unbekannte Kultur vorzustellen und dieses Kennenlernen nicht nur auf das reine Hören von neuen Informationen zu beschränken, sondern eine Verknüpfung mit positiven emotionalen Erlebnissen bei den Kindern zu erreichen. Weiterhin sollte die Offenheit und Akzeptanz gegenüber Menschen aus anderen Kulturkreisen gefördert werden und so eine vorurteilsfreie Lust und Neugierde auf deren individuelle Lebens-geschichten entstehen.

Ablauf: Nach einer in den Tagen zuvor mehr oder weniger intensiven Einstimmung auf das Thema Indien, wo oft auch schon erste Fragen gemeinsam mit den KlassenlehrerInnen erarbeitet wurden, begann der Projekttag mit einer Doppelstunde „Unterricht“.

Gespeist aus einem über Jahre gewachsenen „Erlebnisschatz“, wurde den Kindern hier ein möglichst authentisches Bild der indischen Alltagskultur vermittelt. Die zahlreichen, z. T. sehr humorvoll vorgetragenen Demonstrationen, steckten voller überraschender Momente und berührten die unterschiedlichsten Themenbereiche.
Da wurde zuerst gelacht und dann gespannt zugeschaut, wenn ich am Schluss des „Guru Dakshina“, einer rituellen Geste vor Beginn des ersten Unterrichts mit einem neuen Tanzlehrer, vor einem Kind in der „Guru-Rolle“ auf die Knie ging, seine Füße mit meinen Händen berührte und ihm so meinen Respekt erwies.

„Iiiiih!“ klang es aus den meisten Kehlen, bei der ausgiebigen Beschreibung der indischen Toilettengewohnheiten. Dass das Vorhandensein einer eigenen Toilette vor allem für eine Familie im ländlichen Raum gar nicht selbstverständlich ist und es vom Staat Förder-programme für deren Bau gibt, erstaunte dann alle.
Laut wurde es beim Schlagen der Tempeltrommel „Mizhavu“, der man zu Beginn ebenfalls seinen Respekt erweist, und so manche Kinderhand versuchte ihr einen Ton zu entlocken.

–    Was und wie wird gegessen in Indien?
–    Wie sieht die Kleidung aus und warum trägt man sie oft ohne Gürtel aus Leder?
–    Wieso ist der Wert einer 10 Rupee Note in 17 Sprachen aufgedruckt und wer ist der Mann mit der runden Brille?
–    Was bedeutet der rote Punkt auf der Stirn?
–    Warum ist die Milchkuh heilig und an was glauben die indischen Menschen?
–    Wie schreibt man meinen Namen in Malayalam?

Das Interesse der Kinder an dieser großen und alten Kultur, in der so viele Dinge ganz anders sind wie in der ihnen vertrauten Welt, war geweckt und es gab viele Fragen zu beantworten.

daka dakita – die Vorstellung einfacher Rhythmen, einzelner Handgesten und natürlich der beeindruckenden Mimik des Thullal Tanzes, stimmten dann bereits auf die bevorstehende Aufführung im traditionellen Kostüm ein. Eine ganze Stunde dauert das Schminken und Anziehen der Kostümteile. Die Kinder erlebten dabei meine Verwandlung in einen indischen Tänzer hautnah mit, erfuhren z. B. wie die grüne Schminke hergestellt wird oder vom Auf und Ab des Künstlerlebens in Indien und Deutschland. Oft zeigte sich in diesen Gesprächen, dass nicht wenige bereits über eigene kleine Tanz- und Bühnenerfahrungen verfügen. Viele nutzen diese Zeit, um sich meine Fotos und Magazine aus Indien anzuschauen und mir hierzu Fragen zu stellen.

Der Höhepunkt und Abschluss des Projekttages fand dann meist in einem größeren Raum statt der Platz bot für weitere Schulklassen, manchmal sogar für die gesamte Schule. Nach dem Aufsetzen der Krone, des letzten Kostümteiles, und einer gemeinsamen Begrüßung mit „Namaskaram“ begann die 45minütige Vorführung. Ein paar Erklärungen zu Tanz und Kostüm, eine humorvolle Demonstration der neun Gebärden (Navarasa) und schon tauchten wir mit Bhima und Hanuman ein in die indische Welt der Epen. Das Scheitern des Helden Bhima, der immer nur auf seine Kraft und Stärke vertraut, steht im Mittelpunkt dieser Episode aus dem indischen Mahabharata. Bei seiner Suche nach der bezaubernden Saugandhika-Blume für seine Frau Pancali, begibt er sich tief in den Urwald und hat dabei zahlreiche aufregende Begegnungen. Eine davon lässt ihn auf den weisen Hanuman, den Gott und König der Affen treffen. Dieser kennt seinen Egoismus und den z. T. kompromisslosen Einsatz von Gewalt. Um nicht erkannt zu werden, verwandelt er sich in die Form eines alten und schwachen Affen und blockiert so den Weg von Bhima. Dessen Ärger kennt keine Grenzen, als er auf dieses für ihn absolut „inakzeptable“ Hindernis stößt…

Zuerst in der Form eines Theaterstückes gespielt, einige Kinder übernahmen hier kleinere Rollen, und dann in traditioneller Weise mit Gesang (meiner deutschen Übersetzung der Originaltexte), Tanzschritten, Trommelmusik, Handgesten und Mimik vorgetragen. Diese Geschichte zeigt, dass sich Künstler in allen Kulturen der Welt oft mit ähnlichen Themen beschäftigten und nur die Art der Präsentation sich unterscheidet. In dem bis heute noch populären Thullal, wird (auch bei ernsterer Thematik) sehr viel mit Humor, Satire und Anspielungen aufs Publikum gearbeitet, und so machte diese abschließende Begegnung mit einem Stück südindischer Performancekultur allen Beteiligten Spaß. „Namaskaram!“

Hartmut Schmidt, Indische Botschaft Berlin, Teilnehmende Schulen waren:

  • 22.03.12    Grundschule Herbolzheim, 79336 Herbolzheim
  • 28.03.12    Schönbergschule Ebringen, 79285 Ebringen
  • 02.05.12    Albertschule Ihringen, 79241 Ihringen
  • 25.05.12    Adolf-Gänshirt-Schule Eichstetten, 79356 Eichstetten
  • 14.06.12    Mambergschule Wasenweiler, 79241 Ihringen
  • 24.10.12    Grundschule Merdingen, 79291 Merdingen
  • 08.11.12    Silberbergschule Bahlingen, 79353 Bahlingen
  • 16.11.12    Maria Sibylla Merian Grundschule Kiechlinsbergen, 79346 Endingen
  • 28.01.13    Rheinauen-Grundschule Sasbach, 79361 Sasbach
  • 31.01.13    Alemannenschule Mengen, 79227 Schallstadt
  • 01.03.13    Lorettoschule Freiburg, 79100 Freiburg